Kölsch, Kamelle, Prunk und Fisch

Es soll Blogger geben, die sich um die Karnevalszeit herum verdächtig bedeckt halten.

Insbesondere die, deren echtes Leben (ja, sie haben so eins) - geographisch betrachtet - im verschärften karnevalsaffinen Umfeld stattfindet.

Was machen die bloß tagelang, dass sie nicht dazu kommen, eine einzige Zeile niederzuschreiben???

Sie stellen sich dem “Problem” mit allem verfügbaren Mut, den sie aufbringen können:

Kölsch

Beginnend am Wieverfastelovend (eher schon am Morgen) - nach angemessener optischer Präparation -, wagen sie sich in eine der Karnevalshochburgen vor, um sich dort mehr oder weniger unauffällig unter gleichgesinnte Jecke in Form von Cowboys, Indianern, Piraten und Soldaten zu mischen, sich unvermittelt selig in den Armen zu liegen und - unter Einnahme des lokaltypischen Getränks (man nennt es Kölsch) - für Ausheimische höchst unverständliche Gesänge zu zelebrieren.

Prunk

Sollte dieser Tag ohne größeren Schwund an ihnen vorbeigegangen sein, hält sie nichts davon ab, als nächstes eine Prunksitzung zu besuchen, die - wie sollte es anders sein - bereits für den frühen Nachmittag angesetzt ist.

Das erfordert höchste Konzentration und Kreativität aufgrund der Tatsache, dass die am Vortag im Gemenge hoffnungslos verlorengegangenen Accessoires der schmückenden Kostümierung elegant ersetzt werden müssen.

Egal, das haut schon hin, schließlich gibt die Requisitenkammer eines gutausgestatteten Karnevalistenhaushalts ja einiges her.

Auf der Prunksitzung wird bis tief in die Nacht weniger gesessen denn geprunkt und getrunken, zudem werden nicht nur die Sitzgelegenheiten gnadenlos zum Zwecke virtuoser Tanzeinlagen missbraucht.

Kamelle

Weil selbst diese Sitzung noch keinen ernsthaften Schaden zufügen konnte, wird am nächsten Tag - nach kurzer Regeneration - gleich mittags frohgemut das nächste Fass angeschlagen, während die Verkostümierung ein klein wenig wetterfest umorganisiert wird, weil doch der Zoch kütt.

Mit Sack und Pack - man weiß ja nie, alles darf ausgehen, nur die Getränke nicht - setzen sich die Jeckinnen und Jecken sodann todesmutig dem Geschmeiß aus, lassen alles über sich ergehen, von Schocklädsche an die Stirn über Strüssjer in’s Auge bis zu Kamelle an den Kopp.

Was soll’s: Der eine oder andere undefinierbare Selbstgebraute aus den Reihen der Mitläufer des Zugs lässt einen die Schmerzen relativ schnell vergessen.

Und weil äschte Frünnde nun mal zesamme stonn, wird nachher unter Leerung weiterer ungezählter Gläser noch ausgiebig die reiche Beute bestaunt und geteilt, und das kann dauern…

Fisch

Wo soll das bloß enden???

Sischer dat, all diese hemmungslosen Ausschweifungen enden, jedenfalls vorerst bis auf weiteres.

Und zwar genau dort, am Aschermittwoch, und das unbedingt mit Fisch.

Denn Fisch, so hört man zuweilen, soll sich besonders günstig auf Körper und Geist auswirken.

Alaaf! karneval2.jpg

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