Wut auf die Brut?
Na?
Hand auf’s Herz:
Auch schon mal Wut auf die Brut gehabt?
Ich meine, auf die eigene?
Und sich manchmal gefragt, was man eigentlich getan hat, dass man solche Kinder die eigenen nennt, die offenkundig resistent gegen jede Erziehungsmaßnahme zu sein scheinen?
Ganz ehrlich, von Zeit zu Zeit könnte man doch wirklich aus der Haut fahren, wenn die ureigenen Nachkommen ein derart ungeheuerliches Benehmen an den Tag legen, dass es einen an den Rand der Verzweiflung treibt.
Was ist bloß in solchen Fällen zu tun?
Nun, mancher mag durch die Bude rennen und sich ununterbrochen mit der Hand vor die Stirn schlagen, höchst unflätige Flüche vor sich hinmurmelnd…
Andere wiederum verlassen fluchtartig das Gelände, um den Kummer tränenreich dem/der nächsten Nachbar/in aufzuladen…
Ganz andere texten ihren Nachwuchs schwallartig so zu, dass er schwindelig wird…
Unzweifelhaft existieren zahlreiche Möglichkeiten, sich des Ärgers zu entledigen.
Ich persönlich empfehle die Variante:
Tief Luft holen, renitente Blagen ignorieren, Stift und Zettel nehmen und den Frust in mehr oder weniger sinnreiche Worte fassen.
Das Ergebnis ist ein Text wie dieser:
“Menschenskinder!
Getier
Vögel, Kaninchen, Hunde und anderes Hausgetier möchten jeden Tag frisches Wasser haben, oder möchtest du gerne, dass ich dir erst mal den Becher mit dem Getränk von vorgestern vorsetze?
Eine Überprüfung der vorhandenen Futtermenge ist ebenfalls vorzunehmen, da das entscheidend zur Erhöhung der Lebensdauer beiträgt.
Außerdem sind die Eigenheime der possierlichen Tierchen regelmäßig zu reinigen, da sie sonst in ihrer eigenen Kacka rumlaufen.
Klamotten
Jacken, Schuhe und Taschen wohnen auf keinen Fall auf der Treppe oder verteilen sich gleichmäßig im Flur, Besucher möchten nämlich auch noch irgendwie durchkommen, ohne sich die Füße zu brechen.
Ein Schuhregal dient dazu, Schuhe hinein zu stellen, nicht sie davor zu werfen.
Kleidungsstücke, die eine Wäsche nötig haben, dürfen jederzeit gerne in die Waschküche gebracht werden, am liebsten ohne mehrfache Aufforderung.
Alle anderen Kleidungsstücke, die irgendwo im Wohnbereich rumlungern, haben leider keine Füße und müssen darum in Ihren Kleiderschrank zurück gebracht werden, vorzugsweise von ihrem Besitzer.
Ein Kleiderschrank hat übrigens den Sinn, eine geordnete Übersicht über die vorhandene Kleidung zu behalten, die man dann sogar einigermaßen ohne Knicke und Falten entnehmen und anziehen kann.
Müll
Sollte es vorkommen, dass man es beim besten Willen nicht mehr schafft, noch mehr Müll in den Mülleimer zu pressen, als er aufnehmen kann, ist der Gedanke nicht schlecht, den Müll in die dafür vorgesehene Tonne zu bringen oder in einen gelben Sack zu füllen, je nachdem um welche Sorte Müll es sich handelt.
Wenn der Gedanke dann noch in die Tat umgesetzt wird, haben Gehirn und Gliedmaßen gut zusammengearbeitet.
Auch gelbe und andere Müll-Säcke, die so blöd in der Küche rumstehen, weil sie gerne davongetragen werden möchten, dass man drübersteigen muss, lassen sich am besten entfernen, indem man sie vorsichtig hochhebt und an den für sie vorgesehenen Ort bringt.
Spül
Die Spülmaschine gibt ihr Bestes, um das Geschirr sauber zu bekommen.
Weil das für sie schon genug Arbeit ist, darf man ihr unbedingt gerne beim Befüllen und Ausräumen helfen.
Hobby
Hobby-Zubehör wie Reitkappen, Gerten, Trommeln und Stöckchen, das eigentlich nur von jeweils einer Person benutzt wird, freut sich unbändig, wenn es gemeinsam mit den Kumpels in einer einzigen Ecke des Gebäudes zusammenbleiben darf.
Zeug
Genau so verhält es sich auch mit allerlei weiteren Gegenständen, die nur von bestimmten Personen dieser Familie benutzt werden, sich aber irgendwie immer wie von selbst in Gegenden des Hauses herumtreiben, wo sie nichts zu suchen haben.
Diese Gegenstände sind leicht aufzugreifen, da sie in der Regel nicht beißen, und an den Ort - meistens eins der Kinderzimmer - zurück zu bringen, von wo sie sich einfach weggeschlichen haben.
Energien
Lichtschalter werden meistens betätigt, wenn es dunkel ist, damit eine Lampe das Dunkel erhellt.
Ist es draußen hell oder verlässt man den Raum, den man beleuchtet hat, besteht eigentlich keine Notwendigkeit mehr für eine Lampe.
Darum ist es in diesem Falle vorgesehen, dass man den Schalter erneut betätigt, um die Lampe auszuschalten.
Termine
Wenn jemand eine Verabredung oder einen Termin hat, sollte er rechtzeitig vorher eine der verfügbaren Uhren in Augenschein nehmen, um ebenso rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, das für diesen Termin benötigte Material zusammen zu stellen und einzupacken.
Gerät
Sollte jemand bemerken, dass der Boden mit Schmutz aller Art bedeckt ist, den man womöglich auch selbst darauf verloren hat, nimmt man ein Gerät namens Staubsauger, schaltet es ein, und fast wie Zauberei macht es den Boden sauber.
Gerne kehrt das Gerät dann auch in seine Wohnung zurück, damit der nächste Benutzer es nicht stundenlang suchen muss, denn wenn man es ruft, antwortet es nicht, weil es nicht sprechen kann.
Ungeziefer
Unter Kinderbetten wohnt einzig und allein vielleicht der Sandmann, aber auf keinen Fall findet dort eine konspirative Versammlung von Büchern, CD´s, Stiften, Wendys, Socken, Taschentüchern, Unterhosen, schimmeligen Schulbroten und anderem Ungeziefer dieser Art statt.
(Fortsetzung folgt)”
Ob sich unsere Viertel- bis Halbwüchsigen von diesem in Schriftform gebrachten und öffentlich im Hause ausgehängten “Lehrwerk” beeindrucken lassen, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen…
Allemal aber habe ich - jedenfalls für einen überschaubaren Zeitraum - mich selbst damit von meiner Stinkwut - zumindest in dieser Hinsicht - befreien können.
Und wenn das Ganze auch nur zur Erheiterung sowohl jüngerer als auch altersfortgeschrittenerer Besucher beiträgt, so sei’s drum…
Die Fortsetzung folgt jedenfalls beim nächsten Ausbruch.
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Am 6. März 2008 um 16:07 Uhr
Kinder sind ein Mahnmal das uns die ersten ~20 Jahre lang täglich an jugendliche Torheit erinnert. Sind sie dann mal eine Zeit aus dem Haus beginnt man auf sie stolz zu werden, weil man eigentlich nicht mehr genau weiß und mitbekommt was sie so alles machen…
Am 6. März 2008 um 17:14 Uhr
… oder eben nicht machen, lieber Rick.
