Textbroker - mal ehrlich

Kann aus Schreibersicht ein Service wie Textbroker wirklich etwas Gutes haben?

Soll man sich als Schreiber zu Dumpingpreisen dem Goodwill des Auftraggebers aussetzen?

Mal ehrlich: Wer einen informativen und lesefreundlich gestalteten Text ohne Rechtschreib- und Grammatikfehler verfassen möchte, der zusätzlich gut recherchiert und auf die Anforderungen des Auftraggebers abgestimmt ist, investiert bei einer Anzahl von 250 bis 300 Wörtern letztendlich eine ganze Stunde.

Ist das tatsächlich nur schlappe rund 2,50 Euro wert?

Aus Sicht des Kunden ist das Ganze ohne Frage sehr erfreulich, denn er bekommt zum geringstmöglichen Preis die höchstmögliche Qualität, da er vorgeschlagene Texte natürlich ablehnen oder nachbessern lassen kann.

Was wiederum dem “Texter” gar keinen Lohn oder Mehrarbeit beschert, womit dann der sowieso geringe Verdienst praktisch gegen Null geht.

Alles in mir sträubt sich dagegen, Texte zu Schleuderpreisen zu verfassen.

Hinzu kommt, dass die Vorgaben der Auftraggeber in vielen Fällen mehr als dürftig ausfallen.

Okay, für Hobby-Schreiber ist es eine ideale Möglichkeit, nebenbei den einen oder anderen Euro dazu zu verdienen.

Wenn man aber weiß, was gute Texte wirklich wert sind, wird man sich dann überwinden können, für einen solchen Vermittler zu arbeiten?

7 Reaktionen zu “Textbroker - mal ehrlich”

  • tom

    Für den Auftraggeber ist es schon was feines. Aus Sicht eines Schreibers ist es nur ein billiges Taschengeld was er sich hier verdienen kann. Ich denke, das sich dies so schnell auch nicht ändern wird bei dieser tollen wirtschaftlichen Lage. Du kannst es vielen Autoren dort auch nicht für Übel nehmen, das sie sich dafür hergeben. Es gibt mittlerweile mehr als man glaubt, die kurz vor dem finanziellen Ruin stehen und die klammern sich an jeden Strohalm den sie finden. Wenn da keine gesetzliche Regelung kommt(und die kommt mit ganz großer Sicherheit nicht), werden diese Dumpingpreise sicherlich auch weiterhin Bestand haben.

    viele Grüße
    Tom

  • Christiane

    Ist denn nicht gerade das Ausnutzen dieser Menschen, die versuchen, sich mit den Texten irgendwie über Wasser zu halten, unmenschlich?
    Natürlich werden die Autoren sich nicht wehren, wenn sie auf das bisschen Geld angewiesen sind.
    Somit wird das System, wie du richtig sagst, sicher erst einmal so weiter existieren.
    Es sei den guten Schreiben unter ihnen gegönnt, dass sie den Service als Einstieg nutzen und möglicherweise daraus resultierend wieder den Ausstieg finden, indem sie dauerhafte feste Auftraggeber finden, die bereit sind, ein klein bisschen mehr zu zahlen.

  • tom

    Interessant ist vorallem, das gerade die Firmen welche es garantiert nicht nötig haben, bei der Tiefpreis-Industrie zugreifen. Aber das ist leider überall so. Deutschland lebt nicht nur im Geiz ist Geil Fieber, sondern Deutschland ist das Geiz ist Geil Fieber. Soziale Aktionen brauchst du dir von diesem System ganz sicher nicht erwarten(ganz seltene Ausnahmen bestätigen die Regel). Aber was solls, sich aufregen kostet nur Nerven und das bringts auch nicht.

    viele Grüße
    Tom

  • Heute24

    Geiz ist Geil und das auch bei Texten. Ich habe auch schon dort bestellt und muss sagen das die Texte super sind (4 Sterne). Man muss aber auch bedenken das ein Texter mehrere texte am Tag verfasst, so kommt sicher einiges an € zusammen.

    Wenn man bedenkt was andere Texter für Preisvorstellungen haben pro 100 Wörter 6 -8 EUR *unbelievable*

  • Christiane

    @Heute24:
    Natürlich sind 4-Sterne-Texte super.
    Wer selbst schon Texte geschrieben hat, weiß aber auch, dass man einen 4-Sterne-Text nicht unbedingt eben so aus dem Ärmel schüttelt.
    Und dafür finde ich 6-8 Euro pro 100 Wörter gar nicht so unglaublich.
    @tom:
    Du hast vollkommen recht, aufregen hilft nicht, und das System ändern kann ich im Moment auch nicht.
    Aber anderer Meinung sein darf ich glücklicherweise noch.

  • Jana

    Mir wurde vor wenigen Tagen ein Auftrag angeboten bei dem für 300 Wörter 1,40 € brutto gezahlt werden soll. Außerdem verlangte die Dame auch noch einen kostenlosen Probetext. Als ich ihr daraufhin mitteilte, dass ich nicht zu Dumpinglöhnen arbeiten möchte, wurde die gute Frau ausfallend. In ihrem Büroservice verlangt sie übrigens 1,80 € netto für das ABTIPPEN einer A4-Seite (ca. 400 Wörter), also ohne Recherche und Hirnverrenkungen. Da versteh einer die Welt.
    Aber Ihr habt natürlich Recht, aufregen hilft nicht. Aber so lange sich noch Leute finden, die da mit machen, Gut-Nacht-Marie.

  • Christiane

    @Jana: Schön, zu wissen, dass ich mit meiner Meinung nicht ganz allein auf weiter Flur da stehe.
    Wenn es irgendwann noch mehr werden, könnten wir uns der Hoffnung hingeben, dass sich noch etwas ändert?

Einen Kommentar schreiben